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Wo die Adler ihre Runden ziehen - das andalusische Bergdorf Gaucín im Valle del Genal ist einen Besuch wert (Werner Habermacher, CSN)

Das kleine Dorf Gaucín im Valle del Genal hat dem Besucher einiges zu bieten. Nicht von ungefähr bezeichnete die englische Sunday Times Gaucín als „hot spot“ der Costa del Sol.Stolz erhebt sich der Turm des Castillo del Águila über das weite Land. Weder der heftige Levantewind noch die Kriegswirren vermochten die im 10. Jahrhundert erbaute maurische Burg endgültig zu zerstören. Wohl nagt der Zahn der Zeit am historischen Gebäude, doch die sorgfältig restaurierten Überreste lassen erkennen, wie groß die Befestigungsanlage der Araber einst war.Schon die Römer hatten die strategische Bedeutung von Gaucín erkannt. So kam es an diesem Übergang zwischen der Serrania de Ronda und dem Campo de Gibraltar immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Im Jahre 1309 versuchten die Christen vergeblich, die Alcazaba zu erobern. Der legendenumwobene Held von Tarifa, Guzmán el Bueno, fand vor den Burgmauern den Tod. Erst mit dem Zerfall des Nasridenreiches ging die Herrschaft der Mauren zu Ende. 1485 eroberten die Kastilier die Festung. Allerdings kam es wenige Jahre später zu einem Aufstand der zum Christentum bekehrten Einwohner von Gaucín, der von den Spaniern blutig unterdrückt wurde. 1810 wurde Andalusien durch die Franzosen besetzt. In Gaucín leisteten die Spanier hartnäckigen Widerstand. Balkon der Serrania

Gaucín schmückt sich nicht zu Unrecht mit dem Beinamen El balcón de la Serrania de Ronda. Hoch über dem Tal des Río Genal schmiegt sich das Dorf zwischen Burgfelsen und dem Hausberg El Hacho. Bei klaren Sichtverhältnissen genießt man einen herrlichen Ausblick auf die Küste, Gibraltar und das marokkanische Rifgebirge. Beeindru-ckend ist auch die Sicht auf das Valle del Guadiaro und die Gebirgszüge von Ronda. Der Ort liegt 626 Meter über dem Meeresspiegel. Diese Höhe und das milde mediterrane Klima begünstigen die Vegetation. So verwundert es nicht, dass Gaucín und seine waldreiche Umgebung über eine der reichhaltigsten Faunen Andalusiens verfügt. Das Pueblo blanco hat seinen typischen andalusischen Charakter bewahren können. Die lang gezogenen engen Gassen wie die Calle Alta, Barrio Alto und Calle Cañamaque wirken immer noch attraktiv. Sehenswert sind das Castillo mit der im 18. Jahrhundert erstellten Einsiedelei Santo Niño (Montag und Dienstag geschlossen), die 1505 erbaute Dorfkirche San Sebastián sowie der Dorfbrunnen Fuente de los seis caños aus dem Jahre 1628. Einen bemerkenswerten Akzent setzt auch das fast dreihundert Jahre alte ehemalige Karmeliterkloster, das zu ein  Kulturzentrum umgebaut wurde. Mitte des 20. Jahrhunderts zählte das Dorf noch etwa 4.000 Einwohner. Wegen Mangels an qualifizierten Arbeits- und Ausbildungsplätzen und wohl auch wegen der fehlenden Infrastruktur suchten immer mehr junge Leute ihr Glück in Barcelona oder Santander, in Deutschland oder Frankreich. Auch die prosperierende Costa del Sol wirkt heute immer noch wie ein Magnet. Gegenwärtig wohnen nur noch 1.750 Menschen im Dorf, davon 15 Prozent Ausländer. Zu Hoffnungen Anlass gibt auch der zunehmende Tourismus. Es öffnete die großzügige Hotelanlage Hacienda la Herriza ihre Pforten. Im April 2003 nahm das neue Hotel Caballo Andaluz den Betrieb auf. Der ländliche Tourismus wird durch die Regierung gefördert und bietet neue Arbeitsplätze. Der Tourismus hat eine lange Tradition in Gaucín. Schon im 19. Jahrhundert bevorzugten Kranke aus den Küstenstädten das milde Höhenklima, um Linderung zu finden. Zeitzeuge aus dieser Epoche ist das Hotel Inglés, das heute als Restaurant Nacional geführt wird. Das Angebot ist in den letzten Jahren größer geworden. Kaum ein Besucher würde jedoch vermuten, dass sich in den engen Gassen ein Kleinod verbirgt, das Hotel Rural La Fructuosa. In der Ausgabe des Polyglott-Reiseführers zählt dieses kleine Hotel zu den besten Adressen Andalusiens. Das 150-jährige Haus wurde mit viel Liebe zum Detail renoviert. Zum Schluss sei noch erwähnt: Das Castillo del Águila trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Oft ziehen Adler ihre Runden über Berg und Dorf. Es ist, als ob sie das schöne kompakte Dorfbild gegen spekulative Einflüsse schützen müssten.

Praktische Tipps

Hotel Caballo Andaluz (Dorfeingang, gegenüber Tankstelle) Tel. 952 151 147, Fax 952 151 235.

Hotel Casablanca Im ehemaligen Haus der Marquesa de Pardonas de Zaragoza (Dorfzentrum, unterhalb Gemeindehaus). Tel./Fax 952 151 019.

Hotel Hacienda la Herriza (zwischen Gaucín und Estación de Gau-cín), Häuser mit 1 bis 3 Schlafzimmern und Salon, Restaurant, Schwimmbad.Tel. 951 068 200, Fax 951 068 219.

Hotel Rural La Fructuosa (Zentrum, Nähe ehem. Kloster) Tel. 617 692 784 oder 952 151 072.

Anreise: Autobahn bis Ausfahrt Manilva/Gaucín A377 nach Gaucín. N340 bis Sabinillas/Manilva und A377 nach Gaucín.

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