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  • Holger

Museum zu Ehren des bekanntesten Straßenräubers von El Borge (Nicolas Hock, CSN)

"El Borge" ist rebellischer als die übrigen Bergdörfer der Axarquía. Bürgermeister José Antonio Ponce die Bewohner des Dorfs zu einem Boykott von US-Produkten als Protest gegen den Irak-Krieg aufgerufen, im Jahr 1996 hatten sich die Dorfbewohner in einem symbolischen Referendum gegen den Neo-Liberalismus ausgesprochen, und fast überall im Dorf tragen die Straßen Namen bekannter Kommunistenführer. Ganz auf dieser Linie liegt die Posada del Bandolero, die vergangene Woche eröffnet wurde. Mit der Kombination aus Museum und Hotel erweist das Dorf einem ebenfalls sehr rebellischen Bewohner von El Borge seine Achtung: dem Straßenräuber Luis Muñoz García, genannt El Bizco (dt. der Schielende), der im Jahr 1837 in der jetzigen Posada geboren sein soll und in den Provinzen Málaga, Sevilla und Córdoba sein Unwesen trieb.Er war die rebellische Stimme des andalusischen Bauernstands. Wie Robin Hood: Er beklaute die Reichen und beschenkte die Armen, so Bürgermeister José Antonio Ponce.Im Erdgeschoss der Posada del Bandolero überwiegt der Museumscharakter. Dort befinden sich Schautafeln mit den wichtigsten Stationen im Leben des Räubers. Ein arabischer Brunnen ist dort untergebracht sowie eine zweihundert Jahre alte Pferdetränke und ein Mühlrad, denn bis vor etwa dreißig Jahren diente die Posada als Ölmühle. Im Speisezimmer kann man mehrere Vitrinen bewundern, in denen persönliche Dokumente des Straßenräubers, Waffen aus dem 19. Jahrhundert und Bilder über das Entstehen der Guardia Civil ausgestellt sind. Im ersten Stock sind sechs Gästezimmer untergebracht, die mit Mobiliar aus dem vorvergangenen Jahrhundert eingerichtet sind. Jedes trägt den Namen eines bekannten Bandoleros.José Antoni Ponce wird nicht müde, vom Bizco del Borge zu schwärmen. Er war in ganz Spanien bei den Reichen gefürchtet. Selbst der König musste ihm einen Wegezoll zahlen. Zum Räuber wurde der Bizco laut Ponce aufgrund der damaligen sozialen Ungleichheit. Eine kleine Minderheit lebte im Reichtum, die große Mehrheit hungerte. Wer aus der Not heraus ein Brot stahl, wurde schon gehängt. Da die Posada del Bandolero neben seiner gewerblichen Nutzung ein Museum sein soll, können Besucher auch nur zum Schauen kommen, versichert Pächterin Conchi Vallejo Campos. Eine wichtige Frage mit Anspielung auf den US-Boykott, ob nämlich auch Coca-Cola ausgeschenkt wird, ruft Lachen bei der Pächterin und beim Bürgermeister hervor. Eigentlich sollte es nur Moscatellerwein geben, so Ponce, aber wenn ein Amerikaner kommt, kriegt er auch seine Cola.Vor der Heimfahrt können die Spezialitäten von El Borge – Rosinen, Muskatellerwein und -schnaps – in einem der Geschäfte in der Hauptstraße gekauft werden. Selbst der König musste ihm einen Wegezoll zahlen