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Hochkultur aus dem Orient

cordoba5Vom 8. bis 11. Jahrhundert war Córdoba die Hauptstadt eines wirtschaftlich und kulturell prosperierenden Staates. Die Dynastie der Umayyaden gründete 756 das Emirat von Córdoba. Künste, Astronomie, Medizin und Poesie gelangten zu einer in der westlichen Welt bis dahin unbekannten Blüte, Córdoba wurde zur Millionenstadt. Da die Umayyaden ursprünglich aus dem Orient stammten, kam es im Mittelmeerraum zu einem regen Austausch unterschiedlichster Völker, der die Bau- und Handwerkskunst im Emirat von Córdoba prägte. Nach der Ausrufung des Kalifats durch Abd al-Rahman III. entstand ab 936, in der Nähe von Córdoba, die Palaststadt Madinat al-Zahra (auch Medina Azahara genannt). Unter der Herrschaft der Umayyaden wurde die Hauptstadt des Kalifenreiches 661 von Mekka, der Heimat des Propheten Mohammed, nach Damaskus verlegt. In der Folgezeit eroberten die Umayyden Nordafrika und ab 711 einen großen Teil der Iberischen Halbinsel. Im Jahr 750 wurden die Umayyaden von den Abassiden gestürzt und fast alle umgebracht. Nur einer ihrer Abkömmlinge, der junge Abd al-Rahman, konnte entkommen und landete nach sechsjähriger Irrfahrt 756 in Spanien, und zwar in Almuñécar. Mit viel Geschick gelang es ihm, an das Prestige der alten Herrscherfamilie anzuknüpfen und sich genügend Unterstützung zu sichern, um seinen Herrschaftsanspruch gegenüber dem Statthalter des Kalifats durchzusetzen. Im Mai 756 ließ er sich zum Emir proklamieren, machte Córdoba zur Hauptstadt von Al-Andalus und regierte das Land unabhängig vom Kalifat in Damaskus, obwohl er keinen Anspruch auf den Kalifentitel erhob. Eine umsichtige und lange Regierungszeit ermöglichte es Abd al-Rahman, trotz gelegentlicher Spannungen in der heterogenen Bevölkerung, einen mächtigen, gut organisierten und wohlhabenden Staat aufzubauen, mit dem er eine über 200 Jahre andauernde kulturelle Blütezeit einleitete. 786/87 entstand die Große Moschee von Córdoba, die noch heute als einer der Höhepunkte internationaler Baukunst gilt. Unter Abd al-Rahman III. (912 bis 961) erreichte Córdoba den Zenit seiner Macht und seines Wohlstandes. Nach der Gründung des Kalifats 929 wurde ab 936 in 40jähriger Bauzeit die Herrscherstadt Madinat al-Zahra errichtet. Etwa 10.000 Arbeiter sollen mit dem Bau beschäftigt gewesen sein; Marmorsäulen und -becken, verzierte Wasserkannen und Kandelaber kamen unter anderem aus Tunesien, Byzanz, Marokko und Syrien. Wasser wurde aus den Bergen über ein ausgeklügeltes Leitungssystem in die Stadt gebracht. In vielen Häusern gab es bereits Toiletten mit Wasserspülung. Doch das architektonische Meisterwerk war nur von kurzer Dauer: Gegen Ende des 10. Jahrhunderts verlor die Umayyaden-Dynastie ihre Macht, 1010 wurde Madinat al-Zahra zerstört. Die Schätze wurden geplündert und in alle Welt verstreut, die Ruinen dienten nachfolgenden Generationen als Steinbruch - Säulen, Kapitelle, Stuckelemente und Marmorbecken aus Madinat finden sich auf der ganzen Iberischen Halbinsel in maurischen wie christlichen Gebäuden der Folgezeit. Erst im Jahr 1910 begann man mit der Ausgrabung der lange Zeit als „Córdoba la Vieja" (Alt-Córdoba) bekannten Palaststadt.


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