In 96 Meter Höhe über dem Fluss Guadalete gipfelt eines der schönsten weißen Dörfer Andalusiens Christian Seelos / Arcos de la Frontera (CSN)

Etwa 90 Kilometer südlich von Sevilla und 75 Kilometer östlich von Cádiz ist Arcos de la Frontera der offizielle Ausgangspunkt der berühmten „Route der weißen Dörfer". Im historischen Zentrum der kleinen Stadt treffen die verschiedensten Stilepochen und Kulturen aufeinander und zeugen von einer lebhaften Vergangenheit. Überall in den engen Gassen der Altstadt spürt man noch heute seinen römischen Ursprung, das arabische Erbe und den einstigen Glanz des 18. Jahrhunderts.Auf einem schroffen Bergrücken, oberhalb einer steil abstürzenden Felsenwand gelegen, ist Arcos - wie viele Besucher behaupten - das schönste weiße Dorf Andalusiens. Im Tal umklammert der Rio Guadalete den Ort.

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Historisches Stadtzentrum zum Nationalmonument erklärt: Arcos de la Frontera besitzt eine Vielzahl von Baudenkmälern und das gesamte Altstadtensemble im Herzen der Stadt wurde 1962 von der spanischen Regierung zum denkmalgeschützten Nationalmonument erklärt. Die Geschichte der Stadt findet ihren Ursprung viele Jahrhunderte zuvor.Schon die Phönizier, die Griechen, Karthager und Römer fanden den Weg nach Arcos. Der Begriff „de la Frontera" (Grenze) stammt aus dem 13. Jahrhundert, als die Christen die Stadt von den Mauren zurückeroberten. Während dieser Zeit, bis zum Jahr 1492, als sich das arabische Reich von Granada den christlichen Königen ergab, kam es in dem Grenzgebiet immer wieder zu kämpferischen Auseinandersetzungen.Heute ist Arcos ein friedvolles, urgemütliches Städtchen, das mit seinen zahlreichen Barock- und Renaissance-Fassaden sowie einem Labyrinth aus unzähligen engen Gassen begeistert. Bevor man sich allerdings auf Eroberungstour durch den „Ort der einfachen Schönheit", wie Arcos liebevoll von seinen Einwohnern genannt wird, begibt, sollte man das Auto außerhalb des historischen Zentrums parken. Denn die Einheimischen erzählen, dass in der verwinkelten Altstadt schon das ein oder andere Fahrzeug mit fremdem Nummernschild stecken geblieben sei. Ampeln weisen den Weg durch die schmalen Straßen, die jeweils nur in eine Richtung befahren werden können. Der Gegenverkehr muss auf Grün warten.

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Arabisches und Gotisches im Zusammenspiel: Die Besichtigungstour beginnt in der Cuesta de Bélen, eine steile Straße, an deren Anfang einst das arabische Stadttor stand. Der Weg führt hinauf zum Palacio del Conde de Aguila, ein im 15. Jahrhundert im Mudéjar-Stil erbauter Palast. Über die Calle Nueva geht es zur Plaza Cabildo. Hier steht eines der hervorstechendsten Gebäude der Stadt: die Iglesia Santa Maria.(Bild oben links). Die schönste Kirche am Ort wurde im gotischen Stil auf den Resten der alten arabischen Moschee errichtet. In ihrem Inneren beherbergt sie Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert.Gleich neben der Kirche befindet sich das 1634 eingeweihte Rathaus und der Parador der Stadt, der wegen seiner exponierten Lage zu den reizvollsten Unterkünften der Region zählt. Auf der anderen Seite des Platzes befindet sich eine beeindruckende Aussichtsplattform, die einen einzigartigen Blick über die Felsenschlucht des Guadalete und die sich dahinter ausbreitende Ebene von Cádiz offenbart.      

Mit Sorgfalt hegen die Einheimischen die schönen Gassen in der Altstadt: Den Weg in die urigen, verwinkelten Gassen der Altstadt ziert der Arco de Matrera, das einzig erhaltene Tor der alten Stadtmauer. Über die Calle Esceribano gelangt man zum Convento de las Mercedarias. Die alten Gemäuer des heutigen Klosters beherbergten bis 1642 das örtliche Gefängnis. Heute werden hier Gebäck und Süßwaren aus eigener Produktion verkauft.Der weitere Streifzug durch die Altstadt führt vorbei an freundlich grüßenden Menschen zur Iglesia de San Pedro (Bild unten links).. Auch dieses christliche Bauwerk basiert auf arabischen Gemäuern. Bis zum 14. Jahrhundert stand hier eine maurische Festung. Die Fassade der heutigen Kirche wurde im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild großer barocker Bauwerke erneuert. Der Altar der Kirche ist der älteste der Provinz Cádiz.

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Traditionelles Handwerk verspricht noch immer gute Einnahmen: Auf dem Weg durch die engen Gassen fällt auf, dass viele der vergitterten Fenster im Erdgeschoss der schmuckvoll mit Blumen dekorierten Häuser halbrunde Einbuchtungen haben, die so genannten orejeras. „Diese dienen den Leuten dazu, zu sehen, wer sich vor ihrer Haustür befindet. Denn wegen der Gitter können sie den Kopf nicht aus dem Fenster strecken", erklärt José Calzado, der Inhaber einer kleinen Korbflechterei. „Ich betreibe meinen Laden schon seit über 35 Jahren. Und so lange die Touristen so zahlreich nach Arcos kommen, ist es durchaus ein lohnendes Geschäft", sagt der 72-Jährige. Auch Teppichknüpfer und vor allem Töpfer verdienen in der Altstadt von Arcos mit traditionellem Handwerk noch immer gutes Geld.    

Brotsuppe, Mangold und Artischocken: Gut gegessen und getrunken wird in Arcos natürlich auch. Am Nachmittag empfiehlt sich ein Abstecher in das Hotel Marques de Torresoto. In dem wunderschönen arkadengesäumten Hof des Hotels werden kühle Getränke serviert. Typische Gerichte der Region sind Ajo Molinero, eine schmackhafte Brotsuppe, Mangoldeintopf (potaje de acelgas), gefüllte Artischocken und besonders die bollos de Semana Santa, süßes Gebäck, das nicht nur in der Osterwoche schmeckt.Übrigens, wer Arcos besucht, sollte unbedingt einen Abstecher zum Stausee machen (Bild unten links). Denn dort kann man nicht nur allerlei Wassersportarten betreiben, vielmehr bietet sich von den Ufern des Sees - besonders in den Abendstunden - ein unvergesslicher Blick auf das auf der Felsenkuppel gelegene Städtchen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart die Hand reichen.

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